Über die Stimme das Sprechen verbessern

Warum Stimmübungen ?

Stimmstörungen sind ein sehr häufiges Symptom der Parkinson-Erkrankung.
Die typischen Veränderungen dabei sind:

  • abnehmende ( Sprech- ) lautstärke
  • Monotonie
  • eingeschränkter Stimmumfang
  • veränderte (oft erhöhte) Sprechtonlage
  • Heiserkeit, Rauigkeit der Stimme
  • eingeschränktes Tonhaltevermögen
  • bedingt dadurch Kurzatmigkeit beim Sprechen

Diese Veränderungen entstehen durch Rigor und Hypokinese in der Kehlkopfmuskulatur und beeinträchtigen das Sprechen oft in erheblichem Maße.

Sollten Sie oder Ihre Gesprächspartner bezüglich Ihrer Stimme solche Veränderungen feststellen, dann können Stimm- und Sprechübungen, die den Schwerpunkt auf die Sprechstimme legen, für Sie ein wichtiger Schlüssel zur Verbesserung Ihrer Kommunikationsfähigkeit sein.

Der Vorteil des gezielten Übens in einem Bereich, in diesem Fall der Stimme, liegt darin, dass Sie sich nicht in einer Vielzahl von Übungen verzetteln, deren regelmäßige Durchführung im Alltag meist auch gar nicht zu bewerkstelligen ist. Beim Sprechen ist es ebenfalls nur ein Aspekt, der gezielt verändert wird, nämlich die Lautstärke.

Es gibt ein Sprichwort, das diesen Sachverhalt gut in einem Bild darstellt: „Wenn man zwei Kaninchen fangen will, entkommen beide.“

Daher ist es für den Erfolg der Übungen entscheidend, sich auf „ ein Kaninchen“ also ein Merkmal des Sprechens zu konzentrieren. Und das entscheidende Merkmal ist bei vielen Parkinson-Betroffenen die Lautstärke, die zu trainierende Funktion also die Stimme und zwar aus folgenden Gründen:

  • Stimmstörungen spielen bei Sprechproblemen durch Parkinson sehr häufig eine Rolle
  • Insbesondere die Abnahme der Sprechlautstärke schränkt die Verständlichkeit des Sprechens ein
  • Die Stimme kann in aller Regel durch gezieltes Training gut gebessert werden
  • Die verbesserte Stimmfunktion und hierbei v.a. die erhöhte Sprechlautstärke führt in den meisten Fällen direkt zu besserer Sprechverständlichkeit und damit zum Gelingen von Kommunikation

Übungen :

Es gibt einige einfache Übungen, deren regelmäßige Durchführung die Stimme stärkt sowie modulationsfähiger macht und das Sprechen verbessert:

1. Tonhalteübung

Setzen Sie sich aufrecht hin, atmen Sie tief ein und halten auf „A“ oder „O“ in bequemer Tonlage einen Ton so laut und lange wie möglich an. Führen Sie diese Übung pro Übungsdurchgang 10-15 x durch.

2. Modulationsübung

Singen Sie auf „La“ eine Tonleiter nach oben und halten den höchsten Ton, den Sie erreichen 3-5 Sekunden an. Üben Sie dies pro Übungsdurchgang 6-10 x.
Kehren Sie nun die Richtung um und singen auf „La“ eine Tonleiter nach unten. Halten Sie den tiefsten Ton 3-5 Sekunden an. Üben Sie auch dies 6-10 x.
Falls bei diesen Übungen Schwierigkeiten, etwa zunehmendes Kratzen im Hals oder andere  Missempfindungen auftreten, dann ist es vor der Weiterführung der Übungen sinnvoll, die Stimme von einem Hals-Nasen-Ohrenarzt untersuchen und sich gegebenenfalls logopädische Therapie verordnen zu lassen.

3. Sprechübung zum Ermitteln der richtigen Sprechlautstärke

Lesen Sie folgende Redewendungen und Alltagssätze bewusst mit lauter, kräftiger Stimme:

  • Tschüss! – Hallo!
  • Guten Tag! – Wie geht`s?
  • Wann kommst du? – Das Essen ist fertig.
  • Es hat sehr gut geschmeckt. – Ich fahre nachher in die Stadt.
  • Soll ich noch etwas zum Essen mitbringen?
  • Wir könnten mal wieder zusammen ins Kino gehen.

Finden Sie für sich die richtige Sprechlautstärke heraus, indem Sie die Sätze einem Partner vorlesen und ihn bitten, Ihnen zu sagen, bei welcher Lautstärke er Sie gut verstehen kann.

Diese Lautstärke wird Ihnen selbst oft zu laut vorkommen. Das hängt damit zusammen, dass Sie sich inzwischen schon soweit an Ihr leises Sprechen gewöhnt haben, dass Ihnen das normal erscheint.

Lautheitsdiagramm nach Bonitati, 1987

  • Lautstärkeabfall durch Parkinson
  • Normalisierung der Lautstärke durch die ( Selbst- ) instruktion: „ Sprich laut“

Um jedoch wirklich wieder in normaler Lautstärke zu sprechen, müssen Sie bewusst lauter sprechen (falls Sie sehr leise sprechen sogar rufen).

4. Übungen des lauten Sprechens auf länger werdende Übungsäußerungen

  • Wortebene

Assoziieren Sie zu verschiedenen Begriffen so viele Wörter, wie Ihnen einfallen und sprechen Sie diese laut aus.
Beispiel: Haus-Türen, Fenster, besichtigen, kaufen, hell, geräumig
Üben Sie dies mit 10 verschiedenen Begriffen pro Übungsdurchgang.

  • Satzebene

Lassen Sie sich zu verschiedenen Wörtern kurze Sätze einfallen und sprechen Sie sie laut aus.
Beispiel: Auto- Er möchte sich gern ein neues Auto kaufen.
Bilden Sie auf diese Weise 10 Sätze pro Übungsdurchgang.

  • Textebene

Lesen Sie einen kurzen Absatz aus der Zeitung, einem Buch oder einem Brief laut vor. Gehen Sie jeweils erst dann zu längeren Übungsäußerungen weiter, wenn Sie bei den kürzeren mühelos die Lautstärke halten können.
Trainieren Sie täglich wie beschrieben ca. 15 Minuten Ihre Stimme und das laute Sprechen.
Diese Übungen können keine gezielte logopädische Therapie ersetzen, sind aber eine gute Möglichkeit, selbst etwas zum Erhalt von Stimme und Sprechvermögen beizutragen.
Das Gleiche gilt natürlich auch für alle anderen Aktivitäten in diesem Bereich wie z.B. Singen oder Vorlesen.

Wer rastet, der rostet – das gilt auch für die Stimme.

Lassen Sie Ihre Stimme also hören, werden Sie mit Freude laut.

 

Viel Spaß dabei wünscht Ihnen

Petra Benecke

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