Schlucken und Atmung bei Parkinson

Zum originalen Artikel aus dem Jahre 2000: Non-invasive assessment of swallowing and respiration in Parkonson’s disease

Zusammenfassung vom APLOG-Treffen 2001:

Non-invasive assessment of swallowing and respiration in Parkinson’s disease (L.L. Pinnington et al. (2000), Journal of Neurology, 247 pp 773-777)

Einleitung:

  • 1/3 der Patienten empfindet Schluckstörungen als wesentliches Problem
  • Dysphagie ist mit erheblicher Sterblichkeit verbunden (Ernährung, Lungenentzündung)
  • Videofluoroskopie zeigt größeres Ausmaß der Schluckstörungen als mit nicht-apparativen Untersuchungen zu erkennen ist: stille Aspiration bei 15%-20% Patienten ohne erkennbare Symptome einer Dysphagie und bei 36% der Patienten mit erkennbarer Dysphagie
  • Patienten mit Aspirationsrisiko können Techniken zum sicheren Schlucken erlernen
  • Regelmäßige videofluoroskopische Untersuchungen können nicht durchgeführt werden
  • Exeter Dysphagia Assessment Technique (EDAT): zuverlässig, einfach, nicht-invasiv
  • EDAT misst Synchronisation von Atmung und Schlucken, Zeitpunkt der oralen Flüssigkeitsaufnahme und Schluckgeräusche
  • Orale und pharyngeale Transitzeiten können berechnet werden
  • EDAT kann am Bett durchgeführt und beliebig oft wiederholt werden
  • EDAT ist in der Anschaffung erheblich billiger (~ 22.000,-DM) als Videofluroskopie
  • Interpretation ist einfach

Teilnehmer und Methodik:

  • 12 Patienten mit M. Parkinson im On-Zustand, zweimal untersucht (einmal ohne verbalen Stimulus und einmal mit) jeweils mit 5ml Flüssigkeit, nur 1 Patient berichtet Schluckstörungen
  • 14 Kontrollpersonen
  • EDAT misst Nasenluftstrom bei Ein- und Ausatmung über Nasenkanüle
  • EDAT misst Löffelkontakt mit Lippen über Indifferenzelektrode an Hand oder Bein und Elektrode im Löffelgriff
  • EDAT misst Schluckgeräusche über Mikrophon am Hals
  • EDAT zeichnet die Signale der drei Messungen in einem Diagramm auf
  • Diagrammanalyse: Richtung der Atmung direkt vor und nach dem Schlucken, Anzahl der durchgeführten Schlucke, Dauer der oralen Phase (vom Ende des Löffelkontakts bis zum ersten Schluckgeräusch) und Dauer der pharyngealen Phase bzw. Schluck-Apnoe in der kein nasaler Luftstrom gemessen wurde

Ergebnisse:

  • Orale Phase bei Parkinsonpatienten (0,3 bis 11,2 Sekunden) signifikant länger als bei den Kontrollpatienten (0,1 bis 2,8 Sekunden)
  • Pharyngeale Phase bei Parkinsonpatienten signifikant länger als bei den Kontrollpatienten
  • Durchschnittliche Anzahl der Schlucke bei Parkinsonpatienten (1,35) höher als bei Kontrollpersonen (1,15)
  • Verbales Signal verkürzte die orale Phase, aber hatte keinen Einfluss auf pharyngeale Phase und Anzahl der Schlucke
  • Keine signifikanten Unterschiede in der Atmungsrichtung vor dem Schlucken
  • Bei 99% der Kontrollpatienten und nur 80% der Parkinsonpatienten folgt dem Schlucken eine Expirationsphase

Diskussion:

  • EDAT zeigt subklinische Schluckprobleme wie verlängerte orale und pharyngeale Phase, Nachschlucken und fehlerhafte Atmungssynchronisation
  • EDAT kann für Interventionsstudien eingesetzt und für Feedback genutzt werden
  • Videofluoroskopie zeigt Tremor, Zungenpumpen, Nahrungsmittelreste im oralen und pharyngealen Bereich, anormale Pharynxwandbewegungen, und Aspiration; Aspiration kann aber auch übersehen werden, wenn sie nicht regelmäßig auftritt

Vorteile von EDAT: Wiederholbarkeit, Durchführung am Bett, zeigt Atmungssynchronisierung

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