Warum Logopädie bei Morbus Parkinson?

Die Leitsymptome der Parkinson´schen Erkrankung, welche Zittern (Tremor), Muskelsteifheit (Rigor) und Bewegungsverarmung (Hypokinese) sind,  können auch die Beweglichkeit der am Sprechen und Schlucken beteiligten Muskeln beeinträchtigen.

Man weiß, was man sagen will, kann es aber nur schwer und dadurch für Andere weniger verständlich herausbringen.

Das Sprechen setzt sich zusammen aus:

  1. Atmung
    • Der Luftstrom der Ausatmung bildet die Grundlage für Stimmgebung und Aussprache.
  2. Phonation (Stimme)
    • Die Stimme wird durch Schwingungen der Stimmlippen im Kehlkopf erzeugt.
  3. Artikulation
    • Durch die Bewegung des Kiefers, der Lippen, der Zunge und des Gaumensegels werden unterschiedliche Laute gebildet, aus denen sich die Wörter zusammensetzen.

Die oben beschriebenen Beeinträchtigungen wirken sich wie folgt auf das Sprechen aus:

Tremor:

Ein Tremor im Bereich der Atem- oder der Kehlkopfmuskeln kann zu einem Stimmzittern führen.

Rigor und Hypokinese:

Die hypokinetische und die rigide Komponente der Sprechbewegungsstörung lassen sich vom Hören nicht unterscheiden und werden deshalb zusammengefasst. Die erhöhte Spannung der Atemmuskulatur bewirkt eine flachere Atmung, d.h. bei körperlicher Anstrengung aber auch beim Sprechen und beim Singen ist man schnell außer Atem. Die Bewegungsarmut der Kehlkopfmuskulatur erzeugt einen rauen und behauchten Stimmklang. Die Stimme wird immer leiser und klingt monoton. Hohe und tiefe Töne können beim Singen nur schwer erreicht werden. Auf Grund der erhöhten Stimmlippenspannung ist die Stimmlage beim Sprechen häufig zu hoch. Schwierigkeiten können auch beim Sprechbeginn auftreten, vergleichbar mit den Startproblemen beim Laufen.

Das Sprechtempo ist häufig erhöht: Das Sprechen wird schneller, es kann zu stotterähnlichen Symptomen führen, vergleichbar mit dem Trippeln beim Laufen.

Die Minderbeweglichkeit der Lippen-, Kiefer- und Zungenmuskulatur führt zur Reduzierung der Artikulationsschärfe, d.h. die einzelnen Laute werden nicht vollständig ausgeformt, das Sprechen wird undeutlicher.

Die Kardinalsymptomatik kann sich in unterschiedlichem Ausmaß auch auf das Schlucken auswirken. Die Folgen sind:

  • Die Nahrung wird nicht ausreichend gekaut
  • Die Nahrung wird nicht gut im Mund transportiert
  • Das Schlucken wird verspätet ausgelöst
  • Es kommt zum Verschlucken (häufiges Husten beim Essen und Trinken)

Die zum Sprechen und Schlucken gehörenden Bereiche werden nach differenzierten Verfahren und Methoden diagnostiziert und therapiert. Dabei sollte das Ziel der Logopädie – vor der Minderung der einzelnen Störung – immer die Verbesserung der Funktionen im Alltag sein.

 

R. Piepmeyer

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